Freitag, 17. November 2017

ARTE - Arbeitet der Kulturkanal mit 'Alternative Facts'?!



Der deutsch-französische Kulturkanal ARTE gilt als das kulturambitionierte und seriöse Fernsehprogramm an sich. Gerade die hier regelmäßig ausgestrahlten historischen Dokumentation sind eines der 'Aushängeschilder'. Umso befremdlicher muss es wirken, wenn im Programm Fehler unkorrigiert verbreitet werden. 

Beispiel gefällig?

Anfang November 2017 wurde eine französische Produktion über die Schlacht bei Verdun bei ARTE wiederholt, die erstmals 2016 ausgestrahlt worden war. In dem Film wird in der deutschen Fassung auf die Anti-Kriegskundegebung in Berlin hingewiesen, zu der Karl Liebknecht am 1. Mai 1916 aufgerufen hatte. Die Filmaufnahmen von Liebknechts Auftritt, der mit seiner Verhaftung endete, werden so kommentiert: "Der Abgeordnete der Kommunistischen Partei, Karl Liebknecht, hält eine Ansprache an das Volk". Nun konnte Liebknecht gar nicht für die Kommunistische Partei sprechen, geschweige denn im Reichstag, da die KPD erst am 30.Dezember 1918 gegründet wurde - fast zwei Monate nach Kriegsende! Liebknecht gehörte zur Gruppe Internationale um Rosa Luxemburg und anderen SPD-Dissidenten, die sich nach Kriegsbeginn 1914 in der SPD gegründet hatte. Sie wurde als Spartakus-Gruppe bekannt und Anfang 1916 aus der SPD ausgeschlossen. Eine Kommunistische Partei gab es zu diesem Zeitpunkt weder im Deutschen Reich, noch in einem anderen Land der Erde. Erst nach der Oktoberrevolution im Winter 1918 wurde unter Lenin die russische sozialdemokratische Partei zur ersten Kommunistischen Partei umbenannt. 

Den Verantwortlichen für die Gesichtsproduktionen bei ARTE ist dieser Fehler nicht aufgefallen - oder es war ihnen egal. Jedenfalls lief der Film unverändert zwei Jahre später erneut und ist auch noch in der Mediathek abrufbar. Ebenso fragwürdig ist die Fixierung des Autors, Serge de Sampigny, auf Kaiser Wilhelm II und seinen Sohn, den Kronprinzen. Sie sind in der Dokumentation die maßgeblichen Verantwortlichen für die Schlacht von Verdun - der Urheber des Gemetzels, der Chef des Kaiserlichen Generalstabes, Erich von Falkenhayn, taucht in der Dokumentation nur als Nebenfigur auf. https://medienfresser.blogspot.de/2016/02/100-jahre-verdun-schlacht-der-mythen.html


Könnte man dies noch als Flüchtigkeitsfehler behandeln, wird in der am 8.November 2017 ausgestrahlten deutschsprachigen Dokumentation von Patrick Cabouat: "Der Untergang der Romanows" der Geschichtsverlauf im Sommer 1914 komplett auf den Kopf gestellt. In Minute 27 des Films, in der es um den Kriegsausbruch geht, heißt es "24. Juli. Als Reaktion auf das Ultimatum, das Serbien Österreich gestellt hat, versucht Nikolaus II. Kaiser Wilhelm II. davon zu überzeugen, Österreich zum Einmarsch in Serbien zu überreden." Richtig ist vielmehr: Österreich-Ungarn stellte am 23. Juli 1914 auf Drängen des deutschen Kaiserreichs den Serben ein Ultimatum - das zum Krieg führte. Einen Beleg dafür, dass der russische Zar seinen deutschen 'Vetter Willi' aufgefordert hat, Wien zum Einmarsch gegen das mit St.Petersburg verbündete Serbien zu ermuntern - Fehlanzeige!

Es geht dabei nicht um historische Debatten oder individuelle Fehler. Jeder Fernsehfilm durchläuft senderinterne Prüfverfahren und Abnahmen durch die entsprechenden Redaktionen. Was für Redakteure sitzen dort, wenn sie solche Produktionen durchgehen lassen? Auf der Kommentar-Seite von ARTE findet sich eine entsprechende Krititk eines Zuschauers - Reaktion der Verantwortlichen in Straßburg? Auf meine offizielle Anfrage bei der ARTE-Pressesprecherin Claude-Anne Savin, erhielt ich keine Antwort - bei ARTE Deutschland in Baden-Baden (SWR) verwies man mich an Straßburg, da es sich um eine französische Produktion handele. Eine Mitarbeiterin einer deutschen Rundfunkanstalt, die den Betrieb in Straßburg kennt, meinte nur trocken, die Verantwortlichen bei ARTE seien einfach "zu Eitel" um einen Fehler einzugestehen - es sei denn, er würde hohe Wellen schlagen.

  Geschichtsklitterung scheint jedenfalls nicht dazu zu gehören.....
  
Nachtrag: Bis heute - dem 13. Januar 2018 hat die ARTE-Pressestelle auf meine Anfrage nicht geantwortet.  

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